Diese Filme lassen dich in neue Realitäten eintauchen

Was passiert, wenn die Realität sich verschiebt? Wenn Farben greller, Geräusche dichter und Zeit nur noch ein Vorschlag ist? Manche Filme zeigen nicht einfach eine Geschichte – sie ziehen dich hinein in einen Zustand. Einen Rausch. Einen Fiebertraum.

Autor:in:
Bezzy Wyss
Titelbild:
Dall-E
Hinweise:

Es gibt Filme, die fühlen sich nicht an wie Filme, sondern wie ein Trip. Wie ein Blick in eine andere Wirklichkeit, die manchmal nur ein Zerrspiegel unserer eigenen ist – manchmal aber auch ganz woanders spielt. Diese Werke sind keine klassischen Erzählungen, sondern Erfahrungen: visuell, emotional, körperlich. Sie lassen uns taumeln, erschauern, staunen.

In diesem Listicle geht es um genau solche Filme – solche, die den Verstand dehnen, die Sinne überfordern und sich tief ins Gedächtnis brennen. Und um ehrlich zu sein ist es zugleich eine Liste mit Filmempfehlungen der filmbegeisterten Autorin. Mit einer Ausnahme …

Requiem for a Dream

«Requiem for a Dream» ist einer der Filme, die man so schnell nicht wieder vergisst. Es geht um Menschen und ihre Träume. Und zeigt einen langsamen, gnadenlosen Absturz. Enicht einfach der genausch, sondern den Zerfall dahinter: in grellen Bildern,  Schnitten und einer Bildsprache, die eher wehtut als unterhält. Alles ist übersteuert: die Farben, die Musik, die Verzweiflung. Ein Film wie ein Albtraum mit offenem Ende – intensiv, absurd, verstörend schön. Und danach fühlt man sich irgendwie … leer.

Trainspotting

Heroin, Humor, Hoffnungslosigkeit – und ein Loch in der Toilette, das man nie wieder vergisst. «Trainspotting» wirft einen kopfüber in das Leben einer Clique von Junkies in Edinburgh, mit absurd lakonischem Ton, wilden Bildern und überraschend viel Energie. Der Film ist schmutzig, witzig, tragisch – manchmal alles zugleich. Kein Sozialdrama, sondern ein Rausch mit britischem Akzent und bitterer Nachwirkung.

Donnie Darko

Das ist wohl einer der unglaublichsten Filme, die ich je gesehen habe. Ein Teenager, ein sprechender Riesenhase, Wurmlöcher und eine Prophezeiung über das Ende der Welt. «Donnie Darko» ist Coming-of-Age, Sci-Fi und Psychodrama in einem. Definitiv mein Lieblingsfilm. Zwischen Vororten und Parallelwelten schwebt diese Geschichte durch Zeit und Wahnsinn, mit einem Soundtrack, der sich ins Unterbewusstsein schleicht. Rätselhaft, melancholisch und immer ein bisschen neben der Realität. Oder vielleicht genau drin. Denn das Ende lässt einen innerlich erschauern. Ein Must-See!

The Cell

Ich gebe zu, dieser Film ist verstörend. Dennoch darf er in dieser Liste nicht fehlen. Hier liegt ein Serienkiller im Koma. Die Therapeutin – ohne Witz von Jennifer Lopez verkörpert, die hier beweist, dass sie schauspielern kann – begibt sich mit einer ominösen Technik in sein Unterbewusstsein und versucht, Hinweise auf eine verschwundene Person zu finden. Was klingt wie Sci-Fi-Psycho-Krimi, ist in Wahrheit ein visuell überwältigender Albtraumtrip in die Abgründe eines kranken Geistes. «The Cell» ist ein surrealer Bilderrausch: grotesk, hypnotisch, manchmal verstörend schön. Logik zweitrangig, Atmosphäre maximal. Wer hier eintaucht, sollte die Realität an der Tür abgeben.

Vanilla Sky

Ja, Tom Cruise spielt mit. Ich weiss. Scrollt deswegen bitte nicht gleich weiter. Dieser Film ist einfach brillant. Nicht nur die Story, die einen in eine neue Realität entführt, auch der Soundtrack, der einfach nur perfekt ist, ist ein guter Grund, den Herrn Cruise zu ertragen. Er spielt sogar richtig gut (wie bei «Magnolia», auch ein Hammer-Film). In «Vanilla Sky» führt er ein perfektes Leben – bis alles aus dem Ruder läuft. Was wie ein romantisches Drama beginnt, biegt langsam, traumhaft und ziemlich schräg in ganz andere Dimensionen ab. Realität, Traum, Erinnerung, Wunschdenken – alles verschwimmt in diesem eleganten Fiebertraum mit Sci-Fi-Anmutung. Nichts ist, wie es scheint, und wenn doch, dann nur kurz. Ein Film wie ein Déjà-vu, das sich nicht abschütteln lässt. Und das Verrückte: Der Film (im Original «Open Your Eyes» ist ein Remake aus dem Jahr 1997. Schaut man sich den Film heute an, kommt er einem gar nicht mehr so absurd vor.

Fear and Loathing in Las Vegas

Was soll man hierzu sagen. Wer diesen Film nicht gesehen hat, hat jetzt eine ganz dringende Aufgabe. Es ist Kult. Es ist Legende. Und es ist ein Drogenrausch, den man beinahe selbst fühlt beim Zuschauen. Der Inhalt ist zwar nicht relevant, aber es geht um einen Journalisten und einen Anwalt, die gemeinsam nach Las Vegas fahren und sich dabei alles reinpfeifen, was ihnen möglich ist. Ein Wahnsinn voller Lachflashs und Desorientierung. Terry Gilliams Verfilmung von Hunter S. Thompsons Kult-Trip ist kein klassischer Film, sondern ein Delirium auf Zelluloid. Der Film gibt dem Wort «Entgleisung» eine komplett neue Bedeutung.

The Prestige

Hier geht's um Magie. Der düstere, spannende und faszinierende Film «The Prestige» bleibt definitiv im Gedächtnis. Ich selbst habe den Film vor 19 Jahren gesehen. Ein einziges Mal. Dennoch kann ich mich sehr gut daran erinnern, weil er einfach einfährt. Es geht um zwei Magier und ein Duell. Sie verrennen sich in eine Obsession, die alle Grenzen sprengt, beginnt als düsteres Period Piece über Illusionen und endet in einem absurden Strudel aus uschung und Wissenschaft am Rande des Wahnsinns. Jeder Trick hat seinen Preis, und je tiefer man eintaucht, desto surrealer wird das Ganze. Ein Film wie ein Zaubertrick: Du schaust genau hin – und verstehst trotzdem nicht, was du da gerade gesehen hast.

Inception

Jetzt mal ein bekannterer Film. Viele haben ihn gesehen, er lief in den ganz grossen Kinos. Es geht um Träume in Träumen in Träumen – und irgendwo dazwischen gibt’s einen Auftrag, der fast zu gross für den Verstand ist. «Inception» ist ein architektonisches Gedankenlabyrinth, in dem sich Wände biegen, Städte falten und Zeit sich auflöst. Was echt ist, bleibt unklar. Ein Film, der aussieht wie ein Actionthriller, sich aber anfühlt wie ein philosophisches Puzzle auf LSD. Und am Ende bleibt nur eine Frage: Bist Du wach oder träumst du vielleicht doch?

The Neon Demon

Dieser Film hat mich verstört. Dennoch würde ich ihn empfehlen, wenn man auf schräges Zeug steht. «The Neon Demon» zeigt die Modewelt als grell leuchtenden Albtraum. Was als ästhetisch stilisierter Aufstieg eines Models beginnt, kippt langsam in einen fiebrigen, fast rituellen Horrortrip. Zwischen Neonlicht, Stille und Blut entwirft der Film eine Welt, in der nichts natürlich ist – ausser der Gier. Abgründig, absurd und visuell wie eine Designer-Droge.

Mulholland Drive

Was wäre ein Listicle über schräge Filme, wenn wir Regisseur David Lynch ausklammern würden? Er war der Godfather of strange Movies. Und ich liebe seine Filme, weil er es schafft, dass man sich mit Faszination dieser Verwirrung hingibt und sie versucht zu verstehen. Lynch-Filme sind Interpretationssache – und dieser hier ist ein Klassiker. Hollywood bei Nacht: Eine junge Frau ohne Erinnerung, eine andere mit grossen Träumen – und eine Geschichte, die sich immer wieder selbst untergräbt. «Mulholland Drive» ist kein Film, den man versteht, sondern einer, den man erlebt: wie einen schönen, traurigen Fiebertraum voller doppelter Böden, Zeitsprünge und Identitätsbrüche. Nichts ergibt wirklich Sinn – und doch wirkt alles seltsam zwingend. David Lynch in Hochform: hypnotisch, absurd und beunruhigend nah an etwas, das wir lieber nicht ganz begreifen wollen.

Lost Highway

«Lost Highway» ist der perfekte Einstiegsfilm für Menschen, die Regisseur David Lynch noch nicht kennen. Der Film ist abstrus und faszinierend, er lässt einen nicht los. Und immerhin gehört dieser Film zu den wenigen Lynch-Kreationen, die man ansatzweise verstehen kann. Man verfängt sich in einer Spirale aus Identitäten, Orten und Zeiten, die sich verschieben, überblenden, auflösen. David Lynch lässt Logik links liegen und erzählt stattdessen in Gefühl, Atmosphäre und Albtraumlogik. Dunkel, hypnotisch, verstörend – ein Trip durch die Schatten einer Realität, die sich selbst nicht mehr kennt. Ein absolut grosser Film und eine starke Empfehlung von mir!

Eraserhead

Hier kommt der Film, den ich niemals jemandem empfehlen würde. Dennoch muss er hier in die Liste. Denn das ist das Verstörendste, das ich je gesehen habe. Das Debüt von David Lynch zeigt, wie irre dieser Regisseur – bei aller Brillanz – wohl war. Es geht um einen Mann, der vor seiner Tür ein entstelltes Baby findet, das eher einem Alien ähnelt. Im Film gibts keine Farben, keine Gespräche, keine Musik – ausser dass ab und an eine kleine Frau, die in der Heizung lebt, zu seltsamer Musik tanzt. Kaum war eine Stille dröhnender als in diesem Film. «Eraserhead» säbelt einem also buchstäblich das Hirn weg. Ein Alptraum in Zeitlupe. Nichts als Fragmente aus einer anderen Realität. Dieser Lynch-Film ist kein Film, sondern ein surrealer Zustand, in dem Logik verdampft und nur das Unbehagen bleibt. Schaut es euch nicht an. Lieber alle anderen in dieser Liste. Die sind alle absolut grandios.

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