Algorithmus – ein unsichtbarer Kurator
Soziale Medien funktionieren nicht mit dem Zufallsprinzip. Vielmehr sind die Inhalte massgeschneidert auf unsere Interessen zugeschnitten. Hinter dieser Perfektion steht ein Algorithmus. Dieser analysiert alles: deine Likes, deine Shares, wie lange du etwas anschaust – vielleicht sogar, worüber du sprichst.
Estelle Panier schreibt in einem Artikel, der am 5. Februar 2024 auf humenrights.ch veröffentlicht wurde, folgendes: «Oft sind wir uns nicht bewusst, dass sogenannte Künstliche Intelligenz und algorithmische Systeme in verschiedensten Bereichen wichtige Entscheidungen für und über uns treffen». Das könnten Dinge wie das Aussortieren von Stellenbewerbungen oder die Diagnose von Krankheiten mittels KI sein. Auch unser Nachrichtenkonsum wird von Algorithmen gesteuert: Sie entscheiden, welche Inhalte wir sehen – und welche nicht. Die Forschung bestätigt, dass es sogenannte News-Feed-Algorithmen gibt. Diese analysieren dein Nutzungsverhalten und sortieren die News für dich ganz persönlich aus.
Am 30. März 2023 haben Mykola Makhortykh & Ernesto De León im European Journalism Observatory einen Beitrag rund um ihre Forschung über algorithmische Systeme veröffentlicht. Dieser besagt, dass Nachrichtensysteme gezielt Algorithmen nutzen, um Nutzer:innen personalisierte Inhalte zu empfehlen. Dabei werden Mainstream-Medien oft bevorzugt und alternative Medien erhalten weniger Reichweite. Das kann dazu führen, dass bestimmte Meinungen verstärkt und andere verdrängt werden. Dabei spricht man vom «Mainstream-Effekt». Dadurch entstehen sogenannte Filter-Bubbles, in denen alternative Perspektiven seltener vorkommen. Zudem gibt es Forschungsergebnisse, die besagen, dass bestimmte Algorithmen polarisierende oder sogar falsche Inhalte bevorzugen, weil diese oft mehr Interaktionen hervorrufen.
Der Fiebertraum-Feed
Der Algorithmus will deine maximale Verweildauer. Bildung oder Wahrheit sind ihm egal. Der Algorithmus unterscheidet also nicht zwischen faktischem Journalismus und Fake News.
Um diese Verweildauer zu erreichen, fühlt sich Social Media oft wie ein surrealer Rausch voller Eindrücke an. Die Inhalte springen von Emotionen zu Emotionen. Es entsteht ein Wechselbad aus Schock, Euphorie, Ekel, Neugierde und Absurdität. Dein Gehirn bleibt dabei in einem konstanten Alarmzustand und ist reizüberflutet – und du scrollst weiter und weiter.
Detox-Tipps – so stoppst du das Doomscrolling
Das Gute daran ist, es gibt Strategien, um den Algorithmus auszutricksen und um unser Gehirn wieder auf mehr Aufmerksamkeit trainieren zu können. ChatGPT hat folgende Tipps gebracht, um dem Algorithmus bewusst zu entfliehen:
● Manipuliere den Algorithmus: Folge gezielt tiefgründigen Accounts, like alternative Themen – der Feed passt sich an.
● Entlarve deine Muster: Tracke, wie oft und warum du Social Media nutzt. Ist es Langeweile? Eskapismus? Dann suche Alternativen.
● Finde echte Kuratoren: Abonniere Newsletter, höre Radio oder folge Menschen mit echter inhaltlicher Tiefe.
● Schaffe digitale Oasen: Nutze Formate, die deine Aufmerksamkeit nicht zerreißen: Podcasts, lange Artikel, Bücher.
Der Algorithmus wird voraussichtlich nicht verschwinden. Aber du kannst entscheiden, ob du ihn bewusst für dich nutzt oder dich von ihm steuern lässt.