«Die Scham muss die Seite wechseln» und wir? Solidarisieren!

Mitten im feministischen Streik Luzern treffen Widerstand, Wärme und Vision aufeinander. frachtwerk-Autorin Lilo Rösli nimmt uns mit in einen flirrenden Moment kollektiver Kraft – und stellt die Frage, wie wir diese Energie über den 8. März hinaus tragen können.

Autor:in:
Lilo Rösli
Titelbild:
z.V.g.
Hinweise:

Wir befinden uns mitten im feministischen Streik Luzern. Gemeinsam steuern wir Richtung KuBra - oder besser gleich Richtung («one Solution-») Revolution. Unsere Vision einer gerechten und gewaltfreien Gesellschaft wird hier greifbar. Auf uns wartet ein warmes Znacht vom kurdischen Kulturverein und noch mehr Wärme in der brodelnden Flinta-Sauna. Der Hintergrundbeat pulsiert, die Atmosphäre umarmt. 

Back to Fiebertraum

Der Kontrast zwischen dem kollektiv geschaffenen, sicheren Raum und dem Jetzt ist spürbar. Es ist ein Moment, über den ich mich mit Freund:innen vorher noch ausgetauscht habe und der jetzt richtig kickt.

Nach dem feministischen Streik ist die Stadt immer stiller als zuvor. Die Plätze, die sich mit Energie gefüllt haben, wirken nun leer und dunkel. Ich gehe am Lindengarten vorbei und erinnere mich an die Rede von Pia Engler, welche ein paar Stunden zuvor hier stattgefunden hat.

Blick nach vorn gegen die Femizid-Epidemie, die Realität im Rücken, krabbelt mir unangenehm die Wirbelsäule hoch. Meine Haare stellen sich am ganzen Körper auf. Sieht aus, als hätte man das Bühnenbild gewechselt – die Strassen, die voller Stimmen tobten, sind nun ruhig. War es nicht erst gerade so, dass wir sichtbar und laut etwas verschoben haben? Die Stille bedeutet für mich nicht nur das Fehlen von Geräuschen, sondern auch den Mangel an Bewegung und gesellschaftlicher Reaktion. Vor wenigen Tagen wurde diese Stille erneut durchbrochen – zwei weitere (mutmassliche) Femizide in der Schweiz.

Wie können wir dieses Gefühl von Zusammenhalt lebendig halten, auch wenn wir uns nicht mehr zusammen bewegen? Wie halten wir Sicherheit und Gemeinschaft über den 8. März hinaus, ohne dass sie in der öffentlichen Wahrnehmung verstummen?

«solidarisiere, interveniere»

Genau deshalb sind wir alle angewiesen auf Solidarität und Zivilcourage, wo «Solidarisiere, mitspaziere» zu «solidarisiere, interveniere» werden soll. Nicht nur in Protest-Momenten, sondern genau dann, wenn wir wortwörtlich unseren Safe Space verlassen. Es ist ein Aufruf, uns nicht nur in grossen, öffentlichen Protesten, sondern auch im alltäglichen Miteinander zu bewegen, uns gegenseitig für strukturelle Ungerechtigkeiten zu sensibilisieren.

Für jene, die in ihren Kämpfen allein sind, unsere Stimme zu nutzen. Mehr Mut, laut zu sein, wo Schweigen herrscht. 

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