Der Schlüssel der Träume

In einer Weltpremiere zeigt die Fondation Beyeler erstmals eine umfassende Auswahl surrealistischer Meisterwerke der Collection Hersaint. Begründet wurde sie durch Claude Hersaint (1904; São Paulo - 1993; Crans-Montana), einem der frühesten und bedeutendsten Sammler der Kunst des Surrealismus.

Autor:in:
Layla Hollenstein
Hinweise:

Die Ausstellung «Der Schlüssel der Träume» entführt ihre Besucher in die tiefen Schichten des Unbewussten, dorthin, wo Logik verblasst und Gemälde die Sprache der Träume sprechen. Zu sehen ist eine beeindruckende Sammlung surrealistischer Werke von Künstler:innen wie Max Ernst, Salvador Dalí, René Magritte, Joan Miró, Pablo Picasso, Man Ray, Dorothea Tanning sowie Balthus, Jean Dubuffet und vielen weiteren. Themen wie die Nacht, Träume, Verwandlung oder der Wald als rätselhafter Ort ziehen sich durch die Ausstellung und machen sie zu einer eindrucksreichen Erfahrung.

Sprachliche Ungenauigkeit und geheimnissvolle Natur

René Magrittes Werk «Der Schlüssel der Träume» ist das Werk, das titelgebend für die Ausstellung ist und die surrealistische Ausrichtung der Sammlung verkörpert. Auf den ersten Blick wirkt alles ganz harmlos, eine Reihe von Gegenständen, jeweils mit einem Wort versehen. Beim zweiten Blick bemerkt man jedoch: Die Wörter passen nicht zum gezeigten Bild.

Mit seiner simplen Darstellung und den widersprüchlichen Bild-Textelementen hinterfragt das Bild unsere Wahrnehmung und entlarvt die Sprache als ein System voller Lücken und Verschiebungen. Es macht die Sprache somit willkürlich, flüchtig und veränderbar. Ein Schlüssel wird hier nicht gefunden, sondern in Frage gestellt.

Max Ernst, Ödipus Rex, 1922 (ProLitteris Zürich, Peter Schälchli)

Nicht nur Magritte öffnet Zugänge zum Unbewussten. Auch bei Max Ernst entfaltet sich eine vielschichtige Bildwelt, in der das Verborgene, das Wilde und das Mystische miteinander verschmelzen. Oft zeigt sich bei ihm die Natur als zentrale Rolle seiner Werke, mal tritt sie als dichter Wald auf, mal als abstrakte Landschaft oder organisches Muster. Es werden geheimnisvolle Orte gezeigt mit verschiedensten versteckten Figuren, die man erst bei genauerem Betrachten bemerkt. Max Ernst arbeitete mit besonderen Techniken wie Frottage und Grattage, bei denen Strukturen durch Reibung oder Kratzspuren entstehen. Dadurch wirken seine Bilder fast wie organisch gewachsen – eine Mischung aus Natur und Fantasie, wie Momentaufnahmen aus einer Welt zwischen Traum, Erinnerung und Naturbeobachtung. Wer genau hinsieht, entdeckt darin auch immer wieder Vögel, mal in klar erkennbarer Form, mal als schemenhafte Präsenz, die zwischen Strukturen erscheint. Diese Vogelwesen durchziehen viele seiner gezeigten Werke.

Ambivalente Erkenntnisse

Von Salvador Dalí ist als einziges sein Werk «Le Jeu lugubre» zu sehen. Auf den ersten Blick eher klein – spürt man jedoch, wenn man davor steht, sofort, dass man sich in der Präsenz eines Dalí-Gemäldes befindet. Das Gemälde ist dicht, kurios und aufgeladen mit Symbolen: fragmentierte Körper, halb erotische, halb bedrohliche Szenen. Dalís Detailgenauigkeit und das Zusammenspiel von Schönheit und Absurdität ist unübersehbar.

Viele Werke laden zum Verweilen ein, nicht selten findet man sich vor einer Leinwand wieder, in der sich mit jedem Blick neue Details offenbaren. Die Ausstellung «Der Schlüssel der Träume» ist wie eine Einladung, dem eigenen Inneren zu begegnen, inmitten von Rätseln, Symbolen und Bildern, die sich der Vernunft entziehen. Darin liegt der Reiz dieser Ausstellung: Sie fordert keine raschen Antworten, sondern lässt Raum für Fragen, Irritation und persönliche Assoziationen.

Wer möchte, kann sich ein Stück der Ausstellung mit nach Hause nehmen: Im Museumsshop finden sich ausgewählte Werke in Postkartengrösse - kleine Erinnerungen daran, das Träumen nicht zu verlernen.

Verlosung

Infobox

Die Ausstellung ist bis zum 4. Mai 2025 in der Fondation Beyeler in Basel zu sehen. Der Eintritt ist bis zum 25. Altersjahr frei. Zusätzlich gibt es zahlreiche Ermässigungen für Studierende, Kulturlegis und IV-Betroffene. Genauere Infos sind hier zu finden!