Wie in Trance: Naturklänge im Wasserreservoir

Ein Alphorn ist ein Instrument, das sich ganz anders verhält als andere Instrumente. Musiker Martial In-Albon spielt es seit Jahren. Doch nie hätte er gedacht, was damit wirklich alles möglich ist. Dank einer zufälligen Fügung spielte er in einem stillgelegten Wasserreservoir - und versetzte sich dabei beinahe selbst in Trance. Ein Fiebertraum, wie er schöner nicht sein könnte.

Autor:in:
Bezzy Wyss
Titelbild:
z.V.g.
Hinweise:

Kann Musik in Trance versetzen? Kann sie die Menschen in eine neue Welt eintauchen lassen? «Wenn man sich darauf einlässt, ist das möglich», sagt Martial In-Albon. Und er weiss, wovon er spricht. Er hat es selbst erlebt. Seit der Kindheit spielt er Trompete und Flügelhorn, später entdeckte er durch seinen Onkel die Liebe zum Alphorn. «Ich mag diesen warmen Klang. Er ist anders als bei allen anderen Instrumenten», sagt er. Es sind Naturklänge, die nicht nach Schema F funktionieren und vom wohltemperierten 12-Ton-System abweichen. Es ist eine Naturtonreihe, dessen Struktur teils spezielle Farbtöne hervorbringen. Beim ersten Hinhören denken ungeschulte Ohren an «schräge» Töne - jedoch bringen sie eine unvergleichliche Schönheit mit sich.

Beim Alphorn braucht es nebst des besonderen Gefühls fürs Instrument auch das entsprechende Gehör, um es gut klingen zu lassen. «Wenn ich nicht geerdet und in meiner Mitte bin, treffe ich die Töne nicht richtig. Das Instrument braucht innere Ruhe», sagt Martial. «Das Alphorn ist wie ein Spiegel für mich. Beim Spielen spüre ich, wie es mir wirklich geht.»

Magischer Moment mit dem Alphorn

Durch einen befreundeten Musiker durfte Martial vor einigen Jahren in ein stillgelegtes Wasserreservoir, um dort die ungewöhnliche Raumstruktur zu nutzen, um Alphorn zu spielen. «Ich wusste, dass es hallen würde. Aber was ich da erlebte, haute mich um.» 45 Sekunden bis zu einer ganzen Minute Hall erzeugte dieser Raum. Zudem war es stockdunkel. Man sah die Hand vor Augen nicht in diesem 3000 Kubik grossen Gemäuer. «Ich begann zu spielen und tauchte innerhalb weniger Minuten völlig ab», sagt Martial In-Albon. Er schwebte durch eine Art Trance, durch einen Fiebertraum. «Es war ein wahnsinniges Gefühl», erinnert er sich. Nach einer Stunde ging er zurück ins Tageslicht - und hatte sofort das Bedürfnis, wieder zurück in diesen musikalischen Traum zurückzukehren.

Er stellte sich sofort vor, wie es wäre, dort Projekte zu machen. Konzerte mit Projektionen und meditativen Klängen. «Das wäre ein Traum gewesen», sagt er. Jedoch durften sich höchstens drei Personen gleichzeitig in diesen Räumen aufhalten - aus Sicherheitsgründen. So entschloss sich Martial, dort mit einem Tontechniker Aufnahmen zu machen. Sie parkten ein Büssli mit integrierter Studioausstattung vor dem Wasserreservoir und zogen Kabel ins Innere. So entstand 50 Minuten sphärische Musik. Davon werden fünf Miniaturen veröffentlicht. Zwei sind schon released, drei folgen noch. So hat man ein Alphorn bestimmt noch nie gehört.

Diese Musik erscheint im Herbst auf Vinyl. Damit hat sich der Vollblutmusiker einen grossen Traum erfüllt. «Das Spielen in diesem Raum hat mich so geflashed», sagt er. «In diesem Raum wurde ich eins mit dem Instrument und mit dem Raum». Natürlich wollte er wissen, wie es ist, einfach nur zuzuhören. Als die erste Aufnahme fertig war, zeigte er sie seiner Partnerin Seraina. Und auch sie erlebte eine Traumreise. «Ich lag auf dem Bett, schloss die Augen und schwebte», beschreibt sie ihr Hörerlebnis. Es sei unvergleichlich gewesen.

Sind diese Songs also alle improvisiert? «Nicht ganz», so der Musiker. «Ich habe mich von meinen Gefühlen leiten lassen, habe auf meine Intuition gehört und das Instrument sprechen lassen. Dennoch hatte ich gewisse Strukturen und Farben im Vorfeld definiert», sagt er. «Wäre es zu konstruiert gewesen, hätte es wahrscheinlich diesen Effekt nicht, dass es einen mitträgt. Beim Spielen im Wasserreservoir war es so, als hätte ich mich von etwas Höherem führen lassen, wodurch ich letztendlich diese Wirkung erzeugte.» Wichtig sei zudem, dass sich die Zuhörer:innen auf dieses Musikerlebnis einlassen. «Das hört man nicht nebenbei beim Kochen. Das hört man eher während einer Meditation oder mit geschlossenen Augen auf der Couch», so Martial. Grundsätzlich ist Martials Wasserreservoir-Alphorn-Musik für alle geeignet, die sich darauf einlassen.

Es gibt nichts Schöneres, als Musik nicht nur zu hören, sondern auch zu fühlen.

Verlosung

Infobox

Die Vinylplatte von Martial In-Albon kann man hier vorbestellen.